Warcraft III integrierte ein paar halbherzige Rollenspielelemente – mit Helden, die stärker als die normalen Einheiten sind, Gegenstände nutzen und Attribute verbessern können. Die Geschichte um Prinz Arthas und seine Kooperation mit den dunklen Mächten konnte Blizzard so näher an den Spieler bringen, denn die Figuren kämpften mit auf dem Schlachtfeld. Trotzdem blieb der bislang letzte Warcraft-Teil ein Echtzeit-Strategietitel. Doch der Mod Defense of the Ancients (Dota), verstärkte den Fokus auf die Charaktere. Es ging nicht mehr um Basenbau und Einheitenproduktion, sondern nur um den Held, die eigene Figur.

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Wie im ersten Teil gibt es auch bei Dota 2 bis zu fünf Spieler pro Seite, „The Radiant“ und „The Dire“. Die Gerüchte, wonach der Nachfolger einen Einzelspielermodus beinhalten soll, sind offenbar falsch. Trainieren kann man zwar gegen den Computergegner. Aber es ist ein Mehrspielertitel. Das US-Studio schmeißt seine Source-Engine in den Ring mit der inzwischen herangewachsenen Konkurrenz - etwa von League of Legends, an dem der ehemalige Dota-Entwickler Steve Feak mitarbeitet -, zudem kommt Steam eine zentrale Bedeutung zu.

Defense of the Ancients 2 (DotA 2) - Für den Kampf zwischen Gut und Böse reicht eine Karte

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Defense of the Ancients 2 verspricht viel...
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Eine der ersten Fragen beim Anblick von Dota 2 ist: Wer braucht das? Es läuft flüssig, es sieht gut aus – aber bessere Grafik macht noch kein besseres Spiel. Tatsächlich bleibt fast alles beim Alten, die Technik ist aufpoliert und zukunftsfest gemacht. Auf der bekannten Karte müssen die Teams die Verteidigungstürme der gegnerischen Mannschaften in feststehender Reihenfolge zerstören. Und wieder stehen dafür über einhundert verschiedene Helden zur Auswahl. Der eigene Held wird per Abmetzeln computer-generierter und gesteuerter Gegnerhorden bis Stufe 25 gelevelt; über drei Routen marschieren die Truppen immer wieder in Richtung feindlicher Basis. Logisch, dass das taktisch genutzt wird – etwa durch einen gleichzeitigen Angriff mit den Helden. Zudem sehe ich unten rechts im Display mein ermetzeltes Gold, damit kaufe ich während der Schlacht Items.

Valve sieht das Projekt als „lebendes Spiel“, das Stück für Stück weiter entwickelt wird. Auf der Gamescom konnte ich zwar zuschauen, wie eingeflogene E-Sport-Topteams aus China, Russland, Singapur, Dänemark oder von den Philippinen sich duellierten; doch der Schlüssel zur nächsthöheren Ebene ist Steam mit seinen Cloud- und Community-Features. Dazu gehören die populären Replays, also Aufnahmen von Matches, die bei Steam gespeichert werden und nicht lokal auf dem Rechner, oder auch der Voice-Chat, der komplett integriert wird.

Defense of the Ancients 2 (DotA 2) - Für den Kampf zwischen Gut und Böse reicht eine Karte

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...doch was wird es letztendlich halten können?
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Die Steam-Software bekommt exklusiv ein Update verpasst, dessen Inhalt andere Hersteller bis zur Veröffentlichung von Dota 2 nicht nutzen können. Vorschläge zur Verbesserung kommen von Anhängern des Spiels. Wie genau? Im Tausch gegen Ingame-Belohnungen, die das Ansehen der betreffenden Identität innerhalb der Community steigen lassen. Die Millionen Downloads pro Tag bei einem neuen Update für Dota dürften natürlich zusätzliche Motivation sein.

Auch in Sachen Neueinsteiger sahen sich Valve genötigt, etwas zu tun. Erledige ich einen gegnerischen Held, bekommen ich und eventuell meine Mitstreiter Gold, je nachdem, wie nah sie am Geschehen dran sind. Da Neulinge gerne schnell sterben, weil sie wenig Ahnung von dem haben, was sie da tun – etwa im Gung-Ho-Stil einfach mal in Richtung des Frozen Throne oder World Trees stürmen -, spielen Veteranen bislang lieber mit wenigen, aber versierten Verbündeten. Auch die, die plötzlich aus einer Partie aussteigen sind ein Problem. Die Lösung für dieses Problem in Dota 2 ist simpel: Verlässt ein Verbündeter die Schlacht, übernimmt die KI.

Fast das gleiche Spiel, aber hübscher, mit starker Einbindung der Community. Valve poliert einen Mod und verleiht ihm Glanz.Ausblick lesen

Passend zu dieser Problematik ist, dass einer der größten Kritikpunkte an Defense of the Ancients dessen schwere Zugänglichkeit ist. Zusätzlich zur skillbasierten Matchup-Funktion sollen Leute, die Spielanleitungen erstellen, diese direkt in Dota 2 integrieren können, so dass etwa bestimmte Gegenstände beim Kauf empfohlen, oder Tipps in der entsprechenden Situation angezeigt werden. Das ist sinnvoller als externe Anleitungen, da ich mir in der fortwährenden Hektik des Spiels besser Automatismen antrainieren kann.

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Die Community soll sehr stark mit eingebunden werden.
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Valve standardisiert auch die Angebote für Presse und interessiertes Publikum. So sollen Shoutcaster, also Radiokommentatoren auch Bilder streamen und so den E-Sport-Anspruch unterstreichen. Auf der Gamescom war das sehr anschaulich. Ein Kommentatorenduo und riesige Leinwände sorgten beim internationalen Dota-2-Turnier für Adrenalinstöße – und zwar über 90 Minuten (!), denn so lange dauerte das Auftaktmatch.

Die größte Neuerung dürfte jedoch das Mentor-Prinzip sein: Mit großem Glauben an das Gute im menschlichen Spieler geht Valve davon aus, dass Veteranen Spaß daran und Zeit dafür haben, Anfängern zu helfen. Als Trainer eingeloggt, können sie Neulingen unter die Arme greifen. So sehen die erfahrenen Spieler den Spielbildschirm des anderen und stehen in einem privaten Sprach- und Textchat in direktem Kontakt. Schindluder will Valve über Bewertungen vermeiden: Wie gut war die Unterstützung? Je hilfreicher der Veteran, desto größer dessen Aussicht auf Ingame-Belohnungen bei der eigenen Partie. Doch auch das Schreiben von Anleitungen, Rückmeldung in der Community oder sogar die Beteiligung an öffentlichen Diskussionen über Taktiken will Valve belohnen.